Hast du schon einmal bemerkt, dass du immer wieder in dieselben Verhaltensweisen fällst, obwohl du es eigentlich anders machen willst? Vielleicht reagierst du in bestimmten Situationen automatisch mit Stress, Anspannung oder Unsicherheit? Das liegt daran, dass viele dieser Muster tief in deinem Körper und Nervensystem verankert sind. Es sind Erinnerungen an alte Situationen, und jeder neue Reiz, der an alte Ereignisse erinnert, lässt das bekannte Muster wieder ablaufen. Auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene. Und genau dort können wir sie auch verändern!
Zwei Beispiele:
- Eine Person, die darunter leidet, dass sie in Konflikten immer den Kürzeren zieht und gar nicht anders kann, als nachzugeben, spürt vielleicht schon beim ersten Anzeichen einer Auseinandersetzung, wie sich der Magen zusammenzieht und die Schultern sacken. Wie sie sich plötzlich so klein fühlt wie ein Kind.
- Eine Person, die unter massivem Stress leidet und immer wieder die Aufgaben von anderen übernimmt, merkt gar nicht mehr, dass sie ständig die Luft anhält und die Schultern hochzieht.
Alte Muster zeigen sich nicht nur in unseren Gedanken, sondern auch in unserer Körperhaltung, Atmung und Muskelspannung. Wenn wir sie verstehen und aktiv beeinflussen, können wir sie nachhaltig lösen.
In meiner Praxis für körperorientierte Psychotherapie, Coaching und Körperarbeit ist die Veränderung von alten, heute schädlichen Mustern ein ganz zentrales Thema. Oft beschreiben meine KlientInnen die eigene Fassungslosigkeit, wenn sie sich selbst „dabei zusehen“, wie sie sich selbst immer wieder ein Bein stellen, als führe eine bestimmte Seite von ihnen ein Eigenleben, die sie permanent sabotiert. „Eigentlich will ich ja…, und dann mache ich doch wieder…“ ist eine häufig gewählte Formulierung. Wir arbeiten dann gemeinsam an der Entwicklung von ganz individuell wirksamen körperorientierten und kognitiven Strategien, um eine nachhaltige Veränderung zu ermöglichen.
In meiner Arbeit nutze ich dafür einen 5-Schritte-Prozess, der sich in Therapie, Coaching und Körperarbeit bewährt hat.
Schritt 1: Spüren – Wahrnehmen, was ist
Der erste Schritt zur Veränderung ist, überhaupt zu bemerken, was gerade passiert. Das kannst du jetzt einfach ausprobieren oder beim Erinnern an eine bestimmte Situation:
- Wie fühlt sich dein Körper jetzt gerade an?
- Sind deine Schultern verspannt, atmest du flach oder presst du die Kiefer zusammen?
- Bist Du entspannt?
- Welche Emotionen tauchen auf?
Erst wenn du erkennst, wie sich ein altes Muster zeigt, kannst du es verändern.
Schritt 2: Stabilisieren – Sicherheit und innere Ruhe finden
Um Veränderungen zuzulassen, braucht dein Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit. Mit gezielten Übungen aus der Körperarbeit (z. B. Atemtechniken, sanften Bewegungen, einer gesunden Haltung) kannst du lernen, dich selbst zu regulieren. So kannst du stressige Situationen ganz bewusst meistern, ohne direkt in alte Reaktionsmuster zu fallen. Du kannst dein Gefühl der Sicherheit tatsächlich selbst mit Hilfe des Körpers erzeugen.
Schritt 3: Verstehen – Warum mache ich das immer wieder?
Oft gibt es gute Gründe, warum wir bestimmte Muster entwickelt haben. Sie waren irgendwann nützlich – vielleicht zum eigenen Schutz oder zur Anpassung, um dazuzugehören, zur Familie, zu einer Gruppe. Gemeinsam schauen wir uns an, woher sie kommen, warum sie damals wichtig waren und weshalb sie heute nicht mehr hilfreich sind. Dieses Bewusstsein hilft dir, dich selbst besser zu verstehen und Veränderungen bewusst anzugehen.
Schritt 4: Lösen – Den Körper aktiv einbeziehen
Verhalten und Emotionen sind nicht nur Kopfsache, sondern auch Körpersache. Mit gezielten Übungen kannst du alte „Verhaltungen“ und Spannungen abbauen, neue Bewegungsmuster ausprobieren und dein Nervensystem darauf vorbereiten, sich anders zu verhalten. So erlebst du direkt, dass Veränderung möglich ist.
Schritt 5: Integrieren – Das Neue im Alltag verankern
Damit neue Verhaltensweisen nicht nur eine gute Idee oder ein Vorsatz bleiben, sondern wirklich Teil deines Lebens werden, brauchen sie Übung in Form von Wiederholung und bewusster Anwendung. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie du das Neue in deinen Alltag bringst, bis es dir immer leichter fällt und schließlich ganz selbstverständlich wird.
Fazit
Wenn du alte Muster verändern willst, reicht es oft nicht aus, nur darüber nachzudenken. Dein Körper muss mitmachen! Indem du ihn aktiv in den Prozess einbeziehst, kannst du nicht nur bewusster, sondern auch nachhaltiger neue Wege gehen. So entsteht Veränderung, die nicht nur gedacht, sondern auch gespürt und gelebt wird.